Regulatorien

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In welchem regulatorischen Umfeld bewegen sich Versicherer?

In welchem regulatorischem Umfeld bewegen sich Versicherer?

Regulierung ist – ungeachtet der Branche – vergleichbar mit einem Balanceakt auf einem Berggrat. Zum einen schränken Regulierungen jeglicher Art Branchen oder Unternehmen in ihrer Freiheit grundsätzlich ein. Regulierungen sind auf der anderen Seite jedoch notwendig, um Wirtschaftszweigen diejenigen Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Kunst, in der Praxis das richtige Gleichgewicht zu finden, erweist sich für die regulierenden Instanzen oft als sehr anspruchsvoll und oft wird das Heil für die Lösung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Probleme im Erlass neuer Gesetze und Verordnungen gesucht.

Der Normsetzungsprozess wird in der Regel zusätzlich noch durch politische Interessen beeinflusst. Der Begriff «Überregulierung» hat sich deshalb bereits etabliert und das regulatorische Gesamtpaket droht – mit Blick auf die Situation in der Schweiz – zusehends zu einer Belastung für den Wirtschaftsstandort zu werden. 

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Fabian Berger

ist seit 2015 Leiter Regulatory Affairs bei der Baloise Group. In die Baloise eingetreten ist er 2010.

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Welche Bedeutung haben Regulierungen für die internationalen Finanzmärkte?

Die Regulierungsdichte des Schweizer Finanzmarktes, nicht zuletzt getrieben durch die Vorkommnisse im Rahmen der Finanzmarktkrise, hat dabei überdurchschnittlich zugenommen. Während der Krisensituation hat sich gezeigt, dass wichtige Elemente der internationalen Finanzmarktregulierung nicht die gewünschte Wirkung entfaltet haben. So sind in deren Folge global, in grosser Eile sowie unter hohem politischem Druck weitreichende Regulierungsanpassungen eingeleitet und neue Normen geschaffen worden.

Obwohl von einer griffigen Regulierung theoretisch erwartet wird, nebst der primären Schaffung von Rechtssicherheit auch präventiven Charakter aufzuweisen, zeigt sich in der Praxis oft ein reaktiver Charakter. Das heisst, dass zuerst etwas passieren muss, bevor eine entsprechende Norm ins Leben gerufen wird. Jeden noch so spezifischen Sachverhalt vermögen Normen, die in der Regel prinzipienbasiert formuliert sind (Ausnahme USA), allerdings nicht abzudecken. Dass die rasante internationale Entwicklung, die bankenseitig ihre Ursache fand, auch an Versicherungen – als weitere zentrale Finanzdienstleister – nicht spurlos vorbeigegangen ist, liegt auf der Hand und zeigt sich in einer Vielzahl von angepassten, geplanten und neu implementierten, stets komplexeren Regulierungen. Längst sind Regulierungen keine nationalstaatliche Angelegenheit mehr. Im Besonderen ist eine Tendenz zu einer internationalen Harmonisierung feststellbar. Die Baloise als Schweizer Versicherungsunternehmen, aber auch die eidgenössische Finanzmarktregulierung stehen hier vor nennenswerten Herausforderungen. Vermehrt werden nämlich Regulierungen auf die supranationale Ebene delegiert oder gar von supranationalen Institutionen lanciert. Im Rahmen der Umsetzung sind dann verschiedene Standards und nationale Besonderheiten gegenseitig anzuerkennen und anzugleichen. Im internationalen Kontext erwartet die Schweizer Wirtschaft von ihrem Regulator, dass er den spezifischen schweizerischen Gegebenheiten genügend Rechnung trägt und diese sachgerecht in den Normen-Entwicklungsprozess zu integrieren versucht. Die vermehrt zu beobachtende Tendenz, dass die Schweiz mit einem so genannten «Swiss Finish» sogar noch über internationale Normen hinausgeht, kann dazu führen, dass bewährte Regulierungen an ausländische Lösungen angepasst werden, was für Schweizer Unternehmen nicht immer von Vorteil oder sinnvoll ist. Regulierung mit allen ihren Facetten ist somit ein vielverzweigtes Spannungsfeld, in dem sich die Baloise bewegt. Eine gute Kletterausrüstung ist hier unabdingbar!

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