Den Tätern auf der Spur | 25. Oktober 2017

Mann mit Lupe

Sie ist das "FBI" der Basler Versicherungen Schweiz. Die Fachstelle zur Bekämpfung des Versicherungsmissbrauchs (BVM) sorgt seit 20 Jahren dafür, dass sich Versicherungsbetrüger nicht auf Kosten ehrlicher Kunden bereichern. Raphael Vogel, seit zwei Jahren Leiter des Ermittlerteams, spricht im Interview über den schwierigen aber lohnenswerten Kampf, spektakuläre Fälle und neuartige Methoden.

Raphael Vogel, für einige Menschen ist Versicherungsbetrug immer noch ein Kavaliersdelikt. Sie sehen nicht ein, weshalb dafür ein spezielles Ermittlerteam benötigt wird. Können Sie das verstehen?

Nein, denn die Mehrheit der Bevölkerung befürwortet die aktive Bekämpfung des Versicherungsmissbrauchs. Dies belegt auch eine aktuelle Umfrage des Schweizerischen  Versicherungsverbands. Mich erstaunt dieses Resultat nicht, denn am Ende leidet der ehrliche Kunde in Form von Prämienerhöhungen. Ein Indiz dafür, dass die Bevölkerung mehr denn je für dieses Thema sensibilisiert ist, zeigt auch die Anzahl an Hinweisen, die bei uns eingehen. 

Gibt es den typischen Versicherungsbetrüger?

Die Täterprofile im Jahr 2017 sind so vielfältig wie unsere Produktpalette. Vom jungen Erwachsenen, der sich sein neues iPhone von der Basler finanzieren lässt bis zum Rentner, der sich als Hauptlenker eines Subaru Impreza mit 280 PS ausgibt, obschon er nie im Besitz eines Führerausweises war, ist alles dabei.

Portrait Raphael Vogel
Raphael Vogel
Leiter Fachstelle Bekämpfung Versicherungsmissbrauch bei Baloise Schweiz

Wie fing alles an?

Vor 20 Jahren war das BVM eine One-Man-Show. Das Ganze lief nach dem Motto "wer sucht, der findet". Damals holte der Kollege einen Stapel Dossiers aus dem Archiv. Es galt das Zufallsprinzip. Es gab noch keine exakte Prozesse bzw. interne Abläufe. Auch die damals vorhandenen Ermittlungsmethoden waren beschränkt. Internet- bzw. Social-Media-Recherchen waren noch keine Option, es standen nur Papierdossiers zur Verfügung und eine fundierte Analyse von Schadenbildern war ebenfalls nicht möglich.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ist im letzten Jahr zum Schluss gekommen, dass die gesetzlichen Grundlagen für Observations-Einsätze in der Schweiz fehlen. Welche Folgen hat das Urteil für Ihre Ermittlungstätigkeit?

Wir führen in den betroffenen Branchen keine Überwachungen mehr durch. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass ein entsprechender Gesetzesentwurf angenommen wird und in Zukunft Überwachungen in gravierenden Fällen wieder zulässig sein werden.

In wievielen Fällen ermitteln Sie pro Jahr und wie hoch ist die Aufklärungsquote?

Im Durchschnitt gehen jährlich mehrere hundert Schadendossiers bei uns ein. In über 60 Prozent der untersuchten Fälle können wir Einsparungen erzielen und den Versicherungsbetrüger überführen. Dies ist ein Beleg dafür, dass die Fachbereiche für das Thema Versicherungsbetrug sensibilisiert sind und einen guten Riecher für Verdachtsfälle haben.

Inwiefern haben sich die Ermittlungsmethoden in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Und, werden in naher Zukunft neue Methoden eingeführt?

Früher waren beispielsweise 1:1-Gespräche und – ganz klar als letztes Mittel – die Observation bewährte Ermittlungsmethoden. Heute sind die Möglichkeiten vielfältiger. Nehmen wir das Beispiel Internet: Früher war es der Herr Meier von nebenan, der uns mitteilte, dass es schon verwunderlich sei, dass sein Nachbar trotz seines Rückenleidens jeden Tag joggen könne. Heute finden wir dieselben Information garniert mit einem "Finisher Photo" und einem strahlenden Lächeln irgendwo im Internet auf Facebook, Instagram und Co. Generell spielt heute die Open Source Intelligence eine grosse Rolle. Das heisst, dass wir Informationen aus frei verfügbaren, offenen Quellen sammeln, um durch Analyse unterschiedlicher Informationen verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei werden frei zugängliche Massenmedien genutzt aber auch das Internet und webbasierte Anwendungen wie etwa Google Earth. Demnächst testen wir eine Software, um automatisiert Betrugsfälle erkennen zu können, bevor unberechtigte Schadenzahlungen geleistet werden.  Der entscheidende Erfolgsfaktor bleibt das Know-how meines achtköpfigen Teams. Durch den kriminalpolizeilichen Hintergrund besitzen alle ein Feingefühl für die Person gegenüber und kennen die nötigen Einvernahmetechniken. Ausserdem arbeiten wir auch grenzüberschreitend mit verschiedenen Partnern zusammen. Ob Rotterdam, San Francisco oder Shanghai – wir verfolgen die Spur weiter.

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